Welche Bedeutung hat die kognitive Entwicklungstheorie von Piaget für die Sozialisation?
Frage von V: Welche Bedeutung hat die kognitive Entwicklungstheorie von Piaget für die Sozialisation?
Die Frage ist eigentlich selbsterklärend. Mich interessiert der Bezug zur Sozialisation. Also inwieweit man mit der Theorie die Sozialisation erklären kann, was die einzelnen Phasen damit zu tun haben etc.. Am besten einfach antworten was euch dazu einfällt, da ich Google schon ausgequetscht habe.
Beste Antwort:
Answer by Tifi
Schau mal, was Piaget über Invarianzen in Bezug auf die Entwicklungsphasen von Heranwachsenden geschrieben hat.
Hoffe, das hilft dir ein wenig weiter.
Das Experiment mit dem Glas ist da sehr aufschlussreich.
Die Experimente von Jean Piaget gehören zu den wenigen grossen Versuchen in der Wissenschaft, die sich jederzeit zu Hause wiederholen lassen. Man braucht dazu bloss einen Krug mit Sirup, einige Trinkgläser und ein paar Kinder zwischen vier und acht Jahren.
Als Piagets Mitarbeiterin Alina Szeminska den Versuch 1933 zum ersten Mal durchführte, war eine der Teilnehmerinnen die fünfjährige Madeleine. Szeminska stellte zwei gleiche halbvolle Gläser vor sie und fragte:
«In den Gläsern ist gleich viel Wasser, nicht wahr?» Madeleine prüft die Höhe. – «Ja.»
Szeminska giesst den Inhalt des einen Glases in zwei Gläser und sagt, die gehörten Renée. Dann fragt sie: «Habt ihr immer noch dasselbe zu trinken?» – «Nein, Renée hat mehr, weil sie zwei Gläser hat.»
«Könntest du etwas tun, um ebenso viel zu haben?» – «Auch in zwei Gläser umgiessen.» Madeleine giesst den Inhalt ihres Glases in zwei Gläser um.
«Habt ihr gleich viel?» Madeleine betrachtet lange die vier Gläser. – «Ja.»
Szeminska verteilt den blauen Saft von Renée nun auf drei Gläser, den roten von Madeleine auf vier. Madeleine ist nun überzeugt, mehr Saft zu haben. Als Szeminska die Flüssigkeiten je in das ursprüngliche Glas zurückgiesst und sie genau gleich hoch steigen, ist Madeleine verwirrt.
«Es ist gleich viel!»
«Wie kommt das?»
«Ich glaube, man hat ein bisschen nachgefüllt, und jetzt ist es gleich viel.»
Madeleine glaubte offenbar, dass sich die Menge des Sirups veränderte, je nachdem, in wie vielen Gefässen er sich befand. Sie hatte noch nicht erworben, was Piaget die Mengeninvarianz nennt: Etwas wird nicht plötzlich mehr oder weniger, wenn es in mehreren Teilen oder in anderer Form auftritt.
Auf dem Experiment mit den Gläsern und einer Vielzahl anderer kreativer Versuche gründete Piaget seine Theorie der Entwicklung des Denkens beim Kind. Er stellte sich vor, dass diese Entwicklung in aufeinander aufbauenden Stufen abläuft, die das Kind in einem bestimmten Alter erreicht und die sich an typischen Fehlüberlegungen erkennen lassen.
Im voroperationalen Stadium (2–7 Jahre) ist das Urteil eines Kindes stark von seiner Wahrnehmung bestimmt. Es versteht zum Beispiel noch nicht, dass gewisse Vorgänge, wie das Umgiessen von Flüssigkeiten, umkehrbar sind. Im konkret-operationalen Stadium (7–12 Jahre) beginnt es, nach logischen Regeln zu denken. Es weiss jetzt, dass eine Menge unverändert bleibt, wenn nichts hinzugefügt oder weggenommen wird, und kann gleichzeitig mehrere Merkmale beobachten (die Anzahl Gläser und die geringere Menge Sirup in jedem von ihnen).
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